Respekt Coaches kämpfen für Demokratieförderung an Schulen
Braunschweig. Demokratiebildung, Extremismusprävention, der Umgang mit Rassismus und Diskriminierung oder die Frage, wie junge Menschen Desinformation und politische Einflussnahme in sozialen Medien erkennen können: Seit Jahren arbeiten die Respekt Coachinnen des Caritasverbandes Braunschweig gemeinsam mit Schulen und spezialisierten Projektpartnern an diesen Themen. Sie entwickeln passgenaue Präventionsangebote, bringen externe Fachleute an die Schulen und haben dafür langfristige Netzwerke mit Schulleitungen, Schulsozialarbeit und Lehrkräften aufgebaut. Mit dem Ende der derzeitigen Förderperiode des Bundesprogramms Respekt Coaches zum Jahresende 2026 drohen diese gewachsenen Strukturen und Angebote wegzufallen.
Die Braunschweiger Respekt Coachinnen wollen sich damit nicht abfinden und suchen deshalb verstärkt das direkte Gespräch mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern. Inzwischen haben sie politische Verantwortliche auf kommunaler, Landes- und Bundesebene getroffen. Ein gemeinsames Video mit der Linken-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Heidi Reichinnek, wurde von ihr über die sozialen Medien geteilt und nach Angaben der Respekt Coaches mehr als 70.000 Mal aufgerufen.
Damit bekommt der Einsatz der Braunschweiger Fachkräfte für den Erhalt schulischer Demokratie- und Präventionsarbeit zunehmend auch über Braunschweig hinaus Aufmerksamkeit.
Zu den bisherigen Gesprächspartnern gehört unter anderem der Braunschweiger Bundestagsabgeordnete Carsten Müller (CDU). Er nahm gemeinsam mit der niedersächsischen Landtagsabgeordneten Sophie Ramdor (CDU) an einem Termin bei den Respekt Coaches teil. Ebenfalls im Austausch waren der Braunschweiger Oberbürgermeisterkandidat von Bündnis 90/Die Grünen, Michael Walther, sowie Leonie Bartsch, Co-Vorsitzende der Linken Braunschweig und Oberbürgermeisterkandidatin ihrer Partei. Bartsch besuchte die Respekt Coaches gemeinsam mit Leni Lennox Törmer (Die Linke), die für den Braunschweiger Stadtrat kandidiert. Auch mit Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag, kamen die Respekt Coaches ins Gespräch.
Darüber hinaus präsentierten die Respekt Coaches ihre Arbeit auf dem Delegiertentag der Frauen Union im Landesverband Braunschweig. Im Anschluss kamen sie dort mit dem Landtagsabgeordneten Christoph Plett (CDU) ins Gespräch. Insgesamt wird die Resonanz immer größer.
Bewährte Modellvorhaben brauchen eine langfristige Perspektive
Die derzeitige Förderperiode des JMD-Bundesprogramms Respekt Coaches endet zum Jahresende 2026. Aus Sicht des Caritasverbandes zeigt sich an diesem Beispiel, warum bewährte Modellvorhaben eine verlässliche Perspektive über einzelne Förderperioden hinaus benötigen. Wenn Präventionsarbeit nachhaltig wirken soll, müssen Strukturen, Netzwerke und Erfahrungen, die sich über Jahre bewährt haben, verstetigt und langfristig weiterentwickelt werden können.
Die Fachkräfte arbeiten kontinuierlich mit Braunschweiger Schulen zusammen und organisieren gemeinsam mit spezialisierten Projektpartnern Angebote zu Demokratieförderung, Rassismus und Diskriminierung, Medienkompetenz, Konfliktfähigkeit, gesellschaftlicher Teilhabe und Extremismusprävention.
Dabei sind feste Kontakte zu Schulleitungen, Schulsozialarbeit, Lehrkräften, Fachstellen und externen Referentinnen und Referenten entstanden. Schulen können mit konkreten Problemen und Bedarfen auf die Respekt Coaches zukommen. Diese entwickeln passende Angebote oder vermitteln spezialisierte Partner.
Reichweite zeigt Interesse am Thema
Wie groß das Interesse an der Frage nach der Zukunft der Respekt Coaches ist, zeigt für den Caritasverband auch die Resonanz in den sozialen Medien.
Bei einem Treffen mit Heidi Reichinnek entstand ein gemeinsames Video zur Situation der Respekt Coaches. Nachdem die Bundestagsabgeordnete den Beitrag über ihre eigenen Kanäle verbreitete, wurde er mehr als 70.000 Mal aufgerufen.
Gerade im digitalen Raum habe sich die Aufgabe der Präventionsarbeit stark verändert. Jugendliche begegneten auf TikTok, Instagram, YouTube oder in Gaming-Communitys politischen Botschaften, Desinformation, menschenfeindlichen Kommentaren und extremistischen Inhalten. Die rasante Entwicklung von KI wirke zudem als zusätzlicher Beschleuniger. Gleichzeitig seien soziale Medien wichtige Orte gesellschaftlicher und politischer Teilhabe.
Die Gespräche gehen weiter
Die bisherigen politischen Begegnungen sollen deshalb nicht die letzten bleiben. Die Respekt Coaches wollen weiter auf Abgeordnete und politische Verantwortliche zugehen und ihre Erfahrungen aus der täglichen Arbeit an den Schulen in die Debatte einbringen.
Auch darüber hinaus suchen die Respekt Coaches den Austausch mit gesellschaftlichen Akteuren und Fachinstitutionen. Weitere Treffen mit dem Rotary Club und der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung sind bereits geplant. Dabei soll es ebenfalls darum gehen, die Erfahrungen aus der Arbeit an den Braunschweiger Schulen sichtbar zu machen und Perspektiven für eine nachhaltige Fortführung erfolgreicher Präventionsangebote zu diskutieren.
Der Caritasverband Braunschweig appelliert weiterhin an Bund, Land und Stadt, gemeinsam eine tragfähige Perspektive für diese Form der schulischen Präventionsarbeit zu entwickeln.
Hintergrund
Das Bundesprogramm Respekt Coaches wird seit 2018 über die Jugendmigrationsdienste umgesetzt und vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert. Seit seinem Start hat das Programm damit über einen Zeitraum von acht Jahren eine jährliche Förderung erhalten. Die Entscheidung, das Programm zum Ende des Jahres 2026 zu beenden, wurde durch das BMBFSFJ getroffen.
Die lange Laufzeit zeigt zugleich, dass Respekt Coaches über die zeitlich begrenzte Erprobung eines klassischen Modellprogramms hinausgewachsen ist. An den beteiligten Schulen konnten über Jahre feste Strukturen, Kooperationen und Arbeitsansätze aufgebaut und etabliert werden.
Die Fachkräfte stärken demokratische Werte und setzen mit präventiven Angeboten an Schulen frühzeitig bei Diskriminierung, Rassismus, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Extremismus an. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um die künftige Ausrichtung der Demokratieförderung stellt sich aus Sicht des Caritasverbandes deshalb insbesondere die Frage, wie die über Jahre entstandenen Strukturen und Ansätze an Schulen langfristig erhalten werden können.